Der goldene Oktober hatte voll zugeschlagen. Die kleinen Wälder rund um den Simssee zeigten die schönsten Herbstfarben, das glatte Wasser schillerte dank des wolkenlosen Himmels und der strahlenden Sonne, es lag eine geruhsame Stimmung über dem Ganzen.

Das war am Freitag, dem Vortag des Auer Bräu 111er Zwickl Cup, so und am Samstag und auch am Sonntag. Als wir am Samstag unser Schiff aufbauten, geschah das in aller Ruhe. Keiner der 20 Bootseigner drängte sich - wie sonst üblich - nach vorne, um den schönsten Liegeplatz zu erhaschen, kein Geschrei wegen der scheinbar zu langsamen Kranerei, nahezu kontemplative Ruhe.

Das Einzige, was auffiel, waren einige Kombattanten, die ungewohnte Gesichtsfarben zeigten, einige zu blass für die sonnigen Tage, andere ungesund gerötet. Auch die Schrittfolgen erschienen bei dem Einen oder Anderen ein wenig unkoordiniert. Da wird doch wohl keine seglerverschlingende Epidemie ausgebrochen sein? Ein Blick in die normalerweise mit dem besagten Auer Zwickl wohlgefüllten Kühlschränke zeigte ungewohnte Leere. War der Bier-Sponsor abgesprungen? Das Rätsel löste sich nach einigen vorsichtigen Gesprächsvorstößen. Am Vorabend waren doch schon einige Mannschaften eingetroffen, die es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hatten, die Kühlschränke zu leeren. Fast wäre es ihnen gelungen, aber nur fast. Und die Folgen waren dann halt entsprechend. Die Wohnmobile erwiesen sich in der Folge als Schlafwägen.

Begrüßung: Vorstand Hans Reile freute sich über 20 Meldungen, Wettfahrtleiter Hanns Lohner erklärte das übliche Verfahren und Reviervertreter Martin Köhle versorgte die Schiffe mit Sherry, falls es angesichts der Wetterlage psychische Probleme gäbe. Und Segeln? Also am Samstag ging nichts. Kein Hauch Wind. Nur wunderschönes Herbstwetter. Natürlich wurde der übliche Satz „Ich weiß gar nicht, warum wir zum Kartenspielen immer das Schiff mitnehmen“ belacht - obwohl seit langem bekannt. Der Wettfahrtleiter saß in seinem Startboot, ebenfalls völlig relaxt, und bereitete wohl seinen nächsten Törn vor. Was hätte er denn auch sonst machen sollen? So gegen Fünf am Nachmittag dann Ende der Veranstaltung, man schritt entschlossen zu den mittlerweile wieder gefüllten Kühlschränken, genehmigte sich das erste isotonische Erfrischungsgetränk und nahm dann das vorzügliche Abendessen ein. Die Damen des Segler- und Ruderclub Simssee hatten schon während des ganzen Tages für die Segler gesorgt, das taten sie dann am Abend weiter. Beste Gastfreundschaft.

Und am Sonntag? Goldener Oktober wie gehabt. So ab12 Uhr bezog der erste die Poleposition unter dem Kran, die Schiffe wurden aufgeräumt, die Masten - teilweise auf dem Wasser - gelegt. Die Wanten klingelten an den Masten. „Wie beim Almabtrieb“. „Und die Rindviecher ziehen jetzt nach Hause.“ Die Mannschaften wurden noch mit Polos und Kappen ausgestattet. Das oberbayerische Absegeln mit internationaler Beteiligung - zwei österreichische Mannschaften waren angereist - ging zu Ende. Ein letztes Zwickl Bier, nächstes Jahr sehen wir uns wieder.
mak