Drei bayerische Teams fuhren bei der WM der H-Boote in die Top-Ten

Es ist angeblich seine letzte WM-Teilnahme nach einer langen Karriere im bayerischen und inter-
nationalen Segelsport und auch deswegen ein ganz besonderer Erfolg für den gebürtigen Münchner
Dirk Stadler (Aufkirchen; SRS/MYC) und seine Berliner Mannschaft Christiane „Jani“ Funk (SCN) und
Thomas Kausen (BYC): Vor Malcesine (Italien) errangen sie auf dem Gardasee bei teilweise sehr schwieri-
gen, wechselhaften Bedingungen in acht langen Wettfahrten (FVM; 20.-23.07.) den Vize-Weltmeistertitel
2015.


Dabei musstensie sich am Ende nur dem alten und neuen Weltmeister, Claus Høj Jensen (DEN) und sei-
nem Team geschlagen geben. Für die Dänen ist es bereits der fünfte Titelgewinn und sogar der dritte in Folge.

Das Team um Peter Zauner

 

Peter Zauner (YC Seeshaupt) und seine dreiköpfige Mannschaft Maren Bertling, Florian Drtina und
Timo von Schorlemer wurden hervorragende Siebte und über einen erstklassigen zehnten Platz konnte sich
das Team Robert Huber, Björn Heinrich und Dr. Michael Lohner (Deutscher Touring Yacht-Club) aus Tut-
zing freuen. NB: Auch der neunte Platz ging mit dem Team von Helmut Claußen (Wiking Yacht-Club) nach
Deutschland.

Andreas Kunze (MYC), Gewinner des „Alpenpokals“ – diesmal die Vorregatta der Weltmeis-
terschaft - erreichte mit seiner Frau Christine und Thomas Mayer einen in diesem starken Teilneh-
mer immer noch sehr guten 16. Platz. Ganz zufrieden dürfte auch Philipp „Fips“ Ullherr (CYC) sein, der mit
seiner jüngsten Tochter Paula, die sonst 420er segelt, und Bernd von Hoermann (CYC) sowie Björn Koop
(WYC) einen guten 24. Platz erreichte. Mit einem gerissenen Fockfall, das sie in der siebten Wettfahrt zum
Abbruch zwang, spülte es Micki Liebl (MYC) und seine Crew Petra Dietz und Stefan Freitag mit insgesamt 215
Punkten auf Platz 32 zurück - ohne dieses Pech wären sie am Ende womöglich in Kunzes Nähe ge-
landet. Am Start waren 70 Teams aus sieben Nationen.


Am Gardasee ist auch kein Verlass mehr auf den Wind. Entsprechend untypisch für den
370 km2 großen Binnensee waren bei dieser H-Boot-WM auch die Bedingungen.

 

Abgesehen mal von den bei einem derart großen Feld fast schon selbst-
verständlichen Startschwierigkeiten - für das erste Rennen wurden vier Starts be-
nötigt, der vierte mit „Black Flag“ - war die linke Kursseite auf der ersten Kreuz extrem
bevorteilt. Wer kurz nach dem Start nach rechts, also in Richtung Limone/ Westufer
umgelegt hatte, stand fast in der milden „Ora“ rum – das ging rund 40 Booten so.
Aber hier konnte Robert Huber aus Tutzing ein Ausrufezeichen setzen: Er hatte den rich-
tigen Riecher, etwas Glück und fuhr zum Auftakt einen bayerischen Luvtonne-Ziel-
Sieg. Für das Team von Dirk Stadler wurde diese erste Wettfahrt zum Streicher (30.)
und zwölf Mannschaften fanden ihre Segelnummern im Ziel auf der BFD-Tafel wieder
– für einige eine böse Überraschung, denn sie hatten damit bereits ihren Streicher ver-
braucht. Die beiden Laufsiege im 2. und 3. Rennen holten sich die dänischen Top-
Teams.


Auch am zweiten Tag blieben die von der italienischen Hitze geprägten Windverhältnis-
se unberechenbar und so wurde die Ergebnisliste mit den Wettfahrten vier bis sechs
wieder bunt durcheinander gewürfelt, auch und vor allem durch den ersten und letzten
Streicher der Serie. Als ich einen hilfsbereiten dänischen Segler nach seinem "Rezept"
fragte, meinte der nur „...was soll ich Dir darauf antworten...? gestern waren wir einmal
Erste und einmal Letzte...“ Aber immerhin war nach dem fünften Rennen für alle die
WM-Wertung endgültig „im Sack“ und so konnten mehr als 200 Segler/innen plus Be-
gleitpersonen beim Galadinner bis in die späte Nacht die wunderbare Abendstim-
mung auf der langen Terrasse der Fraglia Vela Malcesine direkt am Gardasee genie-
ßen.

 

Dirk Stadler mit seiner Crew.

Die große Hitze machte vielen der Teilnehmer zu schaffen; bis zu acht
Liter Wasser pro Tag konnte ein dreiköpfiges Team in vier bis fünf Stunden
auf dem Wasser trinken und trotzdem fühlte man sich bei Temperaturen um die 35
Grad Celsius im Schatten noch immer leicht dehydriert. Beim Warten auf Wind sahen
wir im Startbereich nicht wenige der Teilnehmer ganz freiwillig über Bord gehen. An
drei der vier Wettfahrttage konnten acht lange Rennen (je 75 Minuten) durchgeführt
werden, am 23. Juli verhinderte Platzrege mit Gewitter um die Mittagszeit ein oder
zwei weitere Rennen. Da kam abends das Freibier zur Preisverleihung in der bekann-
ten „Speckstube“ natürlich wie gerufen und half den meisten, die endlos lange Warte-
schlange bis zur Essensausgabe zu überstehen.
Dirk Stadler hatte in Seglerkreisen seit ein paar Monaten seinen allmählichen Rückzug
aus dem Leistungssport bekannt gegeben. Mit dem WM-Vize-Meistertitel fügte er sei-
nen vielen internationalen Erfolgen einen weiteren großen Titelgewinn hinzu.
Der im September 1955 geborene Stadler ist neben dem Tornado-Segler Tobias Neu-
hann der erfolgreichste Segler des Segler- und Ruderclubs Simssee. Er ist ein „Eigen-
gewächs“ des damaligen Seglerclubs Simssee. In den 1970er-Jahren wurde Stadler
zweimal A-Kat-Europameister, später dreimal Vize-Weltmeister im H-Boot und ein-
mal WM-Dritter. Ferner errang er drei Mal den Deutschen Meistertitel im H-Boot, zu-
letzt 2013, und auch den Deutschen VizeMeistertitel. Im Drachen wurde er als Vor-
schoter u.a. einmal Zweiter beim „Gold Cup“, Vierter bei der Weltmeisterschaft und
Zweiter bei der Europameisterschaft. Und im Tornado konnte Dirk Stadler zweimal in
die finale Olympia-Ausscheidungsrunde einziehen. (cn)

WM-Homepage (FV Malcesine):
www.hboatworlds2015.com

 

(c) Segler-Zeitung 09/2015